(Dieser Artikel erschien zuerst in der Sparkassenzeitung am 19.04.2020)

Die gegenwärtige Krise verlangt den Sparkassen einiges ab; doch es gibt auch Chancen für die Zeit nach Corona, ein Kommentar. 

In jeder Sparkasse wurden Krisenstäbe eingerichtet und Notfallpläne erstellt. Dies war nur möglich, indem jeder Einzelne fernab von Ressort- und Abteilungsgrenzen agiert hat, um für „das große Ganze“ einen Beitrag zu leisten. Oftmals konnte innerhalb weniger Stunden Großes erreicht werden.

Wofür früher unzählige Meetings, Abstimmungen und Diskussionen notwendig gewesen wären, waren es in dieser Sondersituation nur ein paar Wimpernschläge. Dieses Gefühl des „Unternehmensflows“ gilt es nun in der Folge nicht zu vergessen, sondern für die längst überfälligen Umbauschritte in der einzelnen Sparkassen und der S-Finanzgruppe aktiv zu nutzen.

New Work wurde umgesetzt

Selbst Sparkassen, bei denen es bis kurz vor Ausbruch der Krise undenkbar gewesen wäre, im Homeoffice zu arbeiten, haben – zumindest für einen Teil der Belegschaft – die Flexibilisierung der Arbeit ermöglicht. Aus diesen Erfahrungen ergeben sich viele Chancen für die Zukunft.

Zum einen haben viele Vorstände und Führungskräfte erfahren können, dass die Annahme, Menschen würden zuhause weniger arbeiten als im Betrieb, für kaum einen Mitarbeiter zutrifft. Vielleicht wurde auch erkannt, in welchen Bereichen Heimarbeit problemlos möglich ist, in welchen Bereichen noch nicht und worin die Ursache dafür liegt (vielleicht zu komplexe Prozesse oder mangelndes Technik-Know-how?). Diese Erkenntnisse liefern große Chancen für die Zukunft und die aktive Förderung flexibler Arbeitsformen.

Wir-Gefühl wurde gestärkt

Vielen Menschen hat die Krise aufgezeigt, wie wenig man eigentlich für persönliches Glück braucht. Wie unwichtig materielle Dinge und wie wichtig persönliche Beziehungen, wie etwa die Unterstützung der Eltern oder die gegenseitige Nachbarschaftshilfe sind. Gleichzeitig erfahren die Menschen, die aktuell in den Krisenstäben ihr Bestes geben, ebenso, wie schön dieses Gefühl des Miteinanders ist.

Hieraus erwächst die Chance, künftig aus dieser neuen Bewusstseinsstufe heraus zu agieren. Wie glücklich kann man sein, dass der eigene Arbeitgeber noch solvent ist und die Krise gemeistert hat. Wie schön ist es, dass das eigene Umfeld und man selbst – hoffentlich – gesund durch diese Krise gekommen ist. Es ließen sich noch viele andere Beispiele nennen. Dieses Gefühl der Dankbarkeit, Freude und Demut kann beflügelnd für die gesamte Organisation sein. Die Kraft der Gemeinschaft und das glückliche Gefühl des Miteinanders werden gerade in Krisenzeiten gestärkt und wieder bewusster wahrgenommen.

Flexibilität des Einzelnen erhöht

In der letzten Zeit waren und sind pragmatische und vor allem schnelle Lösungen notwendig. Frühere Präsenzmeetings wurden nun am Telefon oder via Webmeeting erledigt. Die Prioritäten in Form von Terminen in den Kalendern haben sich von einem auf den anderen Moment komplett verändert. Persönliche Prioritäten haben sich schlagartig geändert, wenn man wusste, dass die eigenen Lieben Hilfe brauchen.

Gerade im gewerblichen Bereich sind Sparkassen aktuell mit einer Flut an Anträgen konfrontiert, Teams mussten „geteilt“ werden, Standorte geschlossen oder verlagert werden. Dies sind nur einige der Auswirkungen auf unsere Flexibilität. Alle konnten live erfahren, dass Veränderungen innerhalb weniger Wimpernschläge möglich sind – vorausgesetzt, wir wollen es und entscheiden uns aktiv dafür.

Wie könnte Ihre Sparkasse aussehen, wenn Sie sich aktiv entscheiden würden, zur Speerspitze der Veränderung zu gehören? Wie würde sich die Arbeitsproduktivität der Belegschaft verändern, wenn jeder nicht nur auf seinen Arbeitsbereich blicken, sondern auch an die anderen denken würde?

Wahrnehmung des Top-Managements steigt

In Krisenzeiten sind schnelle Entscheidungen und eine klare Haltung notwendig. So wie im öffentlichen Leben Politiker gestärkt aus dieser Krise gehen werden, weil sie von der Öffentlichkeit als gute „Krisenmanager“ wahrgenommen wurden, so wird es ebenso andere geben, deren Beliebtheitswerte in den Keller gerutscht sind, weil die Öffentlichkeit ihnen nicht abnimmt, wirklich dem Gemeinwohl dienlich gehandelt zu haben.

Dabei ist diese Bewertung ja jenseits der Fakten, sondern rein gefühlsbasiert und für jeden individuell. Dies betrifft auch den Sparkassensektor: Wie präsent waren der Vorstand und die Führungskräfte für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? War eine klare Haltung erkennbar oder lediglich ein „Rumeiern“ – oder gar Stille? Wie bewertet die Mehrzahl der Belegschaft das Verhalten? Aus den Antworten dieser Fragen ergeben sich – bei positiver Bewertung – viele Chancen. Schwer wird es jedoch für die Führungskräfte, die in der jetzigen Phase nicht wahrnehmbar waren.

Kommunikationsprozesse wurden verbessert

Vor allem schnelle Kommunikation und Koordination war und ist in der aktuellen Situation unabdingbar. Auch hier werden viele Sparkassen erkannt haben, wie leistungsfähig die bisherigen Kommunikationsprozesse sind. Konnten alle Mitarbeiter schnellstmöglich informiert werden, da es eine zentrale Kommunikationsplattform im Facebook-Stil gibt, oder war ein hoher Aufwand notwendig, um alle aus dem Krisenstab heraus zu informieren?

Gibt es überhaupt genug Kapazitäten für Telefon- und Videokonferenzen? Sind Kollaborationstools im Einsatz, die es wie zum Beispiel bei Slack schnell ermöglichen, auch neue Menschen in Arbeitsgruppen zu integrieren – und zwar ohne aufwändige Einarbeitungsprozesse, weil der aktuelle Diskussionsverlauf entsprechend dokumentiert ist?

Wie schnell konnten Kunden informiert werden? Gibt es zielgruppenspezifische Newsletter, über die zum Beispiel alle Firmenkunden über die Unterstützungsleistungen des Bundes informiert werden konnten, um die Anrufe in den Kundenkontaktcentern zu reduzieren?

Das Coronavirus hat also nicht nur schlechte Auswirkungen, gleichwohl stehen nun alle Sparkassen vor der großen Herausforderung, aus den Erfahrungen das Beste zu machen.

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