Die Macht der Handschrift und warum Sie sie nutzen sollten

Fast die gesamte Kommunikation erfolgt heutzutage digital per E-Mail, WhatsApp, Skype und firmeninterne Messenger – die Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Eine handschriftlich verfasste Karte erscheint hier wie ein Relikt aus grauer Vergangenheit. Oder wann haben Sie zuletzt im beruflichen Kontext eine handschriftliche Karte oder einen Brief bekommen? Bei den meisten wird es, selbst bei Ausweitung auf Privatleben und Beruf, sehr lange her sein. Ich finde, das ist schade. In diesem Artikel erfahren Sie, wann und warum Sie mal wieder zum Stift greifen sollten.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Es ist Samstag. Sie sind gestern von Ihrer zweiwöchigen Fortbildung nach Hause gekommen. Ganz bewusst haben Sie sich das Wochenende freigehalten, um so richtig anzukommen und sich wieder auf die Arbeit einzustimmen. Sie durchforsten den Berg von Briefen, der sich während Ihrer Abwesenheit angesammelt hat und dabei fällt Ihnen eine Karte in die Hände. Sie denken: „Oh, wer war denn da im Urlaub?“ Doch die Vorderseite zeigt keines der üblichen Urlaubsbilder, sondern trägt in goldenen Buchstaben geprägt das Wort „Vorfreude“. Voller Neugierde drehen Sie die Karte um und wundern sich ein zweites Mal, denn die Karte trägt keine Handschrift, die Ihnen sofort verrät, von wem sie ist. Sie fangen daher von unten an zu lesen und staunen: Die Karte ist unterschrieben von Ihrem Chef. „… das gesamte Team und ich haben dich vermisst. Wir sind voller Vorfreude, wenn du uns am Montag von deinen Erlebnissen erzählst …“ Mit welchem Gefühl würden Sie wohl am Montag zur Arbeit gehen?

Dieses Beispiel zeigt, wie kraftvoll ein geschriebenes Wort wirken kann. Das Investment des Chefs sind fünf Minuten Lebenszeit und die Material- und Portokosten. Das Ergebnis: ein hoch motivierter Mitarbeiter/eine hoch motivierte Mitarbeiterin. Die Voraussetzung, dass eine handschriftliche Notiz Wirkung entfaltet, ist, dass sie ernst gemeint ist und somit das Herz des Empfängers berührt.Sollte das tagtägliche Erleben des Mitarbeitenden der Führungskraft meilenweit vom geschriebenen Wort entfernt sein, wird die Karte zur Farce.

Blickt man in den heutigen Unternehmensalltag, so kommen Gesten dieser Art meist vollkommen zu kurz. Vorstände, Führungskräfte, CEOs und Inhaber sind sich oftmals gar nicht bewusst, mit welch geringem Aufwand sie zu einem erheblichen unternehmerischen Mehrwert beitragen könnten. Ausgaben für Trainings oder Gehaltsverhandlungen würden ganz anders aussehen, wenn es menschlicher im Unternehmen zuginge. Wem würde es schon um den letzten Euro gehen, wenn man die Wahl hätte zwischen einem Arbeitsplatz, der sich wie Freizeit mit einer großen Familie anfühlt, und einem Arbeitsplatz, der nur unter Berücksichtig der monetären Anreize attraktiv ist?

Gerade in folgenden Situationen hat eine handschriftlich verfasste Notiz eine wunderbare Wirkung:

 

  • Führungssituationen: z. B. Rückkehr nach längerer Abwesenheit, Geburtstag, Dienstjubiläum, für die Mitarbeitenden bedeutende Ereignisse wie Hochzeit, Geburt, besonderer Erfolg für das Unternehmen
  • Vertriebssituationen: z. B. personalisiertes Angebot, Dankesnotiz für einen Geschäftsabschluss, Kundenjubiläum
  • Kollegiale Situationen: z. B. Jahre der Zusammenarbeit, abgeschlossenes Projekt, Ausdruck von Dankbarkeit

 

Diese Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn wenn man mit dem Herzen wahrnimmt, lassen sich noch zahlreiche Beispiele finden. Gehen Sie einfach mit offenen Augen durch Ihr Unternehmen, ich bin mir sicher, Sie finden ausreichend Gelegenheit, wann und wie Sie diese wirkungsvolle Geste einsetzen können. Neben dem positiven Erlebnis des Mitarbeiters entstehen darüber hinaus ebenso positive Effekte für den Schreibenden. Zahlreiche Studien zeigen, dass mit der Hand geschriebene Worte voller Dankbarkeit auf direktem Weg das eigene Erleben des Schreibenden erreichen und somit zu einer höheren inneren Zufriedenheit und einem positiven Erleben des Alltags führen. Gleichzeitig ist das Feedback ebenso erfreulich. Stellen Sie sich nur die strahlenden Augen Ihrer Mitarbeitenden vor, wenn sie zu Ihnen kommen und sich bei Ihnen für eine handgeschriebene Karte bedanken.

Wichtig bei jedem Einsatz ist – neben der ernst gemeinten Wertschätzung – die Dosis. Denn wenn Sie jeden Samstag eine Karte Ihrer Führungskraft bekommen würden, dann würde sich keinerlei Wirkung mehr entfalten und nach einer Zeit sogar eine negative. Setzen Sie deswegen Ihre Handschrift bewusst und dosiert ein, denn eine Wirkung wird nur dann erzeugt, wenn dies eine Besonderheit bleibt. Ich wünsche Ihnen dabei viele Momente, die Sie und andere Menschen berühren.

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2018-05-02T14:33:13+00:00

About the Author:

Jürgen Weimann ist Umsetzungsbeschleuniger und zählt zu den führenden Experten digitale Transformation bei Sparkassen

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